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Informationen

Voraussetzungen für die Durchführung von Luftdichtheitmessungen

Gesetzliche Vorgaben

Wohngebäude müssen nach geltendem Baurecht entsprechend dem Stand der Technik wirksam und dauerhaft gegen Luftundichtigkeiten abgedichtet werden. Damit soll unkontrollierten Wärmeverlusten und Bauschäden vorgebeugt werden. Die für heutige Neubauten maßgebliche Vorgabe für die Luftdichtheit nennt die DIN V 4108 Teil 7 in der aktuellen Fassung von August 2001. Für Gebäude mit Baujahr zwischen 1996 und 8/2001 ist die ältere Fassung der Norm von November 1996 maßgeblich. Die Meßmethode ist in DIN EN 13829 beschrieben (früher ISO 9972).

Die Luftdichtheits-Messung erfolgt mit einem hochpräzisen Ventilator, der im Gebäude wahlweise Über- oder Unterdruck erzeugt und zugleich misst, wie viel Luft er permanent abpumpen oder zuführen muss, um eine Druckdifferenz von 50 Pascal zwischen innen und außen aufrechtzuerhalten. Dieser Ventilator-Luftstrom ist identisch mit dem durch Gebäudeundichtigkeiten nachströmenden Leckage-Luftstrom. Messgröße der Luftdichtheit ist die durch die Undichtigkeiten bewirkte Luftwechselrate, also das Verhältnis des Leckageluftstroms pro Stunde (in m³/h) zum Innenvolumen eines Gebäudes (in m³). Die DIN 4108 Teil 7 nennt als Grenzwerte

- ohne Lüftungsanlage: n(50) < 3,0 /h (max. dreifacher Luftwechsel/Stunde)
- mit Lüftungsanlage: n(50) < 1,5 /h (max. eineinhalbfacher Luftwechsel/Stunde).

Nach Vorgabe des Passivhaus Institutes, unabhängig von DIN 4108 Teil 7 gilt als Grenzwert für Passivhäuser: n(50) < 0,6 /h

Ein Wert von n(50) = 1 /h , also ein einfacher Luftwechsel pro Stunde bei 50 Pascal Druckdifferenz bedeutet, dass in einem Gebäude mit z.B. 100 m² Wohnfläche und 2,5 m mittlerer Raumhöhe, also 250 m³ Luftvolumen, unter Messbedingungen pro Stunde 250 m³ Luft durch undichte Fugen und Ritzen nachströmen.

Durchführung der Messung

Im Haus werden Türen und Fenster verschlossen. Außenluftöffnungen von Lüftungsanlagen und Dunstabzugshauben werden zugeklebt. In eine geeignet große Gebäude-Öffnung wird ein großes Messgebläse eingebaut. Das Messgebläse erzeugt nacheinander Unterdruck und Überdruck im Haus und misst währenddessen, wie viel Luft es hinaus- bzw. hereinfördern muss, um die Druckdifferenz konstant zu halten. Das Maß der Undichtheit, der beschreibt, ein Wie vielfaches des Innenvolumens stündlich bei 50 Pascal Druckdifferenz durch bauliche Undichtheiten nachströmt. Bei Neubauten ohne Lüftungsanlage darf es nach DIN 4108/7 nicht mehr als das Dreifache des Innenvolumens pro Stunde sein, bei Gebäuden mit Lüftungsanlage nicht mehr als das Eineinhalbfache des Innenvolumens pro Stunde. Die Messung dauert bei einem EFH incl. dem vorherigem Aufmass des Innenvolumens ca. zwei Stunden.

Organisatorische Voraussetzungen für die Messung

- Es muss Strom für das Messgerät verfügbar sein. Die Stromqualität darf während der Messung (ca. 30 Min)nicht durch starke Baumaschinen beeinträchtigt werden.
- Es darf kein allzu starker Wind wehen. Regen oder Kälte stören dagegen nicht.

Bauliche Voraussetzungen für die Messung

Das Gebäude muss in einem messfähigen Zustand sein (siehe Abschnitt: „Der geeignete Bauzustand zum Messzeitpunkt“).
Eine Gebäudeöffnung (Fenster oder Tür), die zum Einbau der Blowerdoor geeignet ist, muss vorhanden sein. Sie muss eine Breite von mindestens 0,7 m und höchstens 1,14 m und eine Höhe von mindestens 1,3 m und höchstens 2,41 m aufweisen. Gebäudeöffnungen für Hauseingangselemente sind in der Regel raumhoch und demnach zu groß, um mit der Blowerdoor verschlossen zu werden.

Luftdichtende Ebenen

Luftdichtende Ebenen oder Schichten können je nach Gebäudekonstruktion an unterschiedlichen Stellen liegen. Die nachfolgende Liste nennt die wesentlichen luftdichtenden Ebenen normaler Gebäude und die an ihnen bestehenden typischen Problempunkte, die sorgfältig geplant und ausgeführt werden sollten und die zum Zeitpunkt der Luftdichtheitsmessung auch fertig gestellt sein sollten.

Betondecken

- Durchdringungen von Rohren, Leitungen, Schächten

Innere Putzoberflächen massiver Außenwände

- fehlende oder lückenhafte Putzflächen, insbesondere fehlende Putzränder am Übergang
  von Wänden zu Decken im Sockelbereich, zu Dächern hinter Streichsparren, an Fußpfetten
  und hinter Vorwandinstallationen,

- Anschluss von Putzoberflächen an Tür- und Fensterrahmen
- Anschluss von Putzrändern an Folienebenen im Leichtbaubereich

Balkendurchdringungen durch Außenwände bei Holzbalkendecken

- Durchdringungen von Rohren und Leitungen
- Unterputz-Installationen in Außenwänden, vor allem bei Ziegelbauten
- Installationsschlitze und Schächte

Fenster und Türen

- Abdichtungen von Fenster- und Türblättern zu Rahmen oder Zargen
- Anschluss von Fensterrahmen und Türrahmen an Mauern und Stürze
- Anschluss von Blendrahmen bodentiefer Fenster oder Türen an Rohdecken
- Abdichtung von Türblättern gegen Fußböden an der Schwelle (Haustür/Kellertür)
- Schließbeschläge, Schlüssellöcher, in Türen eingebaute Briefkästen und Klingeln

Innere Trennwände zwischen beheizten und unbeheizten Räumen

- Verbindungen luftdichtender Folien in Leichtbauwänden
- Anschluss von Folien an anschließende Bauteile (Boden, Decke, andere Wände)
- Abdichtung eingelassener Steckdosen, Schalter und Rohranschlüsse

Luftdichtende Folien oder Pappen in Leichtbaukonstruktionen, z.B. im Dach

- Dauerhafte Verbindung zwischen einzelnen Folienbahnen
- Anschlüsse Folien an Putzoberflächen an Wänden, Kaminen und Schächten
- Anschlüsse Folien an Fensterbänke sowie an Rahmen von Fenstern, Dachflächenfenstern, Abseitentüren und Dachbodenluken.
- Anschlüsse Folien an sägeraue Holzoberflächen (Sparren, Kehlbalken, Pfetten etc)
- Anschlüsse Folien an Leichtbauwände (Gaubenwände, Drempelwände)
- Abdichtung Folien durchdringender Rohrleitungen und Elektrokabel
- Abdichtung Folien durchdringender sägerauer Holzbalken und Latten
- Abdichtung der Gehäuse von Einbaustrahlern in Kehlbalkendecken

Nötiger Bauzustand zum Messzeitpunkt

Voraussetzung für eine Luftdichtheits-Messung ist, dass alle luftdichtenden Schichten des Bauwerks fertig gestellt sind. Diese Schichten sollen auch noch zugänglich sein, so dass sie im Falle von Undichtigkeiten noch nachgebessert werden können.

In jedem Falle müssen fertig sein:

- Betondecken und Abdichtung von deren Durchdringungen
- Alle inneren Putzoberflächen
- Fenster und Fenstertüren nebst Abdichtung von Rahmen und Schwellen
- Haustür, andere Außentüren, Kellertüren und Dachbodentüren oder -Luken, soweit sie Luftdichtende Ebenen sind.
- Luftdichtende Folien und deren Anschlüsse im ganzen Leichtbaubereich (Schrägdach, Kehlbalkendecke, Gaubenwände, Dachflächenfenster...)

Eingebaut und abgedichtet sollten sein:

- Heizungs-, Lüftungs-, Elektro-, Wasser-, Abwasser- und andere Installationsleitungen und  Rohre einschließlich deren Verteilkästen.

Nicht eingebaut sollten sein:

- Innere Verkleidungen der luftdichtenden Ebenen wie
- Estriche und Bodenbeläge
- Gipskartonbekleidungen von Leichtbauteilen im Dach und Drempelbereich
- raumseitige Bekleidungen von Vorwandinstallationen

Provisorische Abdichtungen

Geplante luftdurchlässige Stellen (z.B. Lüftungsöffnungen) und Stellen, bei denen die angestrebte Luftdichtung zum Zeitpunkt der Messung noch nicht fertig gestellt ist, müssen für die Messung provisorisch verschlossen werden. Die provisorische Abdichtung muss gegen

Über- und Unterdruck ausreichend stabil sein. Man beachte dabei, dass der Prüfdruck von 50 Pascal Windstärke 6 entspricht.

Kleine Öffnungen wie Luftkanäle, Abwasserleitungen etc. können in der Regel mit einer Plastikfolie und einem gut klebenden Klebeband (z.B. wasserfestes Tesa-Textil-Klebeband) provisorisch abgedichtet werden, wenn ihr Umfeld einen ausreichenden Haftgrund für das Klebeband bietet und trocken ist. Dies ist bei Metall-, Glas, Kunststoff- und glatten Holzoberflächen in der Regel der Fall.

Die provisorische Abdichtung größerer Öffnungen wie z.B. einer noch fehlenden Kellertür oder eines noch fehlenden Fensters kann durch ein mit einer Folie bespanntes Lattengestell hergestellt werden, das mit elastischem Schaum-Dichtband gegen den Fußboden und gegen die (rauen) geputzten Wandkanten abgedichtet und von mehreren Schraubzwingen oder verkanteten Querhölzern gegen die erheblichen Windkräfte gehalten wird.

Es empfiehlt sich, für Abdichtarbeiten ausreichend Latten, Folien, einen Tacker, Klebebänder und Schraubzwingen vorrätig zu haben.

Weiterführende Literatur

 Luftdichtheit der Gebäudehülle - Probleme und Lösungen“ Autoren: T.Bolender und W.Eicke-Hennig; Hrsg.:Impuls-Programm Hessen, 46 Seiten, ca. 18 €, Best-Nr. 91030098; (Ausführliche Darstellung d. Bedeutung von Luftdichtheit; Planungsablauf, Messung und Vorschriften. Ausführliche Beispiele, Fotos + Skizzen).

„Luftdichtigkeit von Wohngebäuden - Messung und Bewertung, Ausführungsdetails“, Autoren: J.Zeller und K.Biasin, Hrsg:: RWE Energie AG, Vertrieb über Energie-Verlag, Heidelberg, 67 S., Preis ca. 10 € ; (Sehr gute Darstellung von Problemen und Detaillösungen mit Hilfen für Planung und Ausschreibung).

„Luftddurchlässigkeitsmessungen mit dem Blower Door Test in Niedrigenergiehäusern und anderen Gebäuden“ Autoren: J. Zeller, S. Dorschky, R. Borsch-Laaks und W. Feist; Hrsg.: IWU, Darmstadt; 221 Seiten, ca. 15 €; Best-Nr. 16/95.

„DIN- 4108-7 Wärmeschutz im Hochbau. Teil 7: Luftdichtheit von Bauteilen und Anschlüssen. Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele“ vom August 2001“. Hrsg.: Beuth-Verlag, Berlin; 8 Seiten ca. 23 € (Beschreibt die baurechtlich als Regel der Technik für alle Neubauten eingeführte Luftdichtheit-Anforderungen und enthält einige Detailvorschläge zur Ausführung). Diese Norm wurde im Bundesanzeiger Nr.140 vom 31.07.98 auf Seite 10885 als Regel der Technik eingeführt, wobei eine zulässige Messtoleranz definiert wurde.